Informationen zum Projekt

Das Projekt "Digitales Lernen Grundschule"

"Digitales Lernen Grundschule" ist ein Projekt mehrerer Universitäten und Hochschulen, das durch die Deutsche Telekom Stiftung ermöglicht wird. Nach der Ausschreibung im Sommer 2015 und der Bewerbungsphase, wurden die Universitäten Bremen, Hamburg und Potsdam sowie die Pädagogischen Hochschulen Ludwigsburg und Schwäbisch Gmünd ausgewählt um das Projekt gemeinsam mit der Ludwix-Maximilians-Universität München innerhalb von drei Jahren zu realisieren. Allgemeine Informationen zum Projekt findet man auf der Projektseite der Deutsche Telekom Stiftung

Digitales Lernen Grundschule an der Universität Potsdam

Die Integration von digitalen Technologien in den Unterrichtsalltag der Grundschule ergibt sich als zwingende Notwendigkeit aus der sozialen und gesellschaftlichen Realität. Angesichts der Verfügbarkeit dieser Technologien für Grundschülerinnen und Grundschüler ist die Frage nicht, ob digitales Lernen in der Grundschule geschieht, sondern wie es ausgestaltet wird. An der Universität Potsdam liegen der Entwicklung von Konzepten und ihrer Evaluation drei Leitlinien zugrunde:

Verknüpfung realer und virtueller Handlungsräume

Gerade in der Grundschule sind reale Erfahrungen eine bewährte und wichtige Basis für das Lernen. Diese Grundlage darf durch die Einführung digitaler Technologien nicht zerstört werden, gleichzeitig sollen aber die neuen Möglichkeiten genutzt werden können und ein Miteinander der bewährten Materialien mit digitalen Erweiterungen gewährleistet werden. Im Projekt sehen wir daher in allen Konzepten eine parallele Herangehensweise mit traditionellen Lehrmaterialien und digitalen Werkzeugen vor, die in einem „duo of artefacts“ die Beziehung zwischen Realität und digitalen Welten herstellen und die jeweiligen Vorteile nutzen und verstärken. Dies bedeutet, dass der Einsatz des Mediums nie für sich selbst stattfindet, sondern stets in Zusammenhang mit der umgebenden Welt gebracht wird. Neben der parallelen Verwendung realer und virtueller Anschauungsmittel kann dies auch durch die Kombination von Realsituation und Simulation eines Experiments oder seiner Teilschritte gewährleistet werden.

​Anschlussfähigkeit in die Sekundarstufe

Die Grundschule legt das Fundament für das weitere Lernen in der Sekundarstufe und darüber hinaus. Daher ist es wichtig, dass die vermittelten Inhalte und Kompetenz erweiterungs- und damit anschlussfähig für zukünftige Lernsituationen sind. Daher legen wir im Projekt Wert auf gezielt ausgewählte und überschaubare Grundkonzepte, die die Vorerfahrungen der Kinder aus der vorschulischen Bildung aufgreifen, ausbauen und in weiter nutzbare Grundvorstellungen für das Lernen in den Sekundarstufen festigen.
Ideen, die hinter den jeweiligen Konzepten stehen, müssen auch auf spätere Lerninhalte übertragbar sein. Da in Brandenburg die Grundschule die Klassenstufen 1 bis 6 umfasst, kann dieses Prinzip in Potsdam besonders gut beobachtet und durch den Austausch mit den anderen Projektpartnern diskutiert werden. Die Schülerinnen und Schüler der Partnerschule werden von der 3. bis zur 6. Klasse von der gleichen Klassenlehrerin begleitet. Daher kann insbesondere der Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe im Rahmen des Projektes erforscht werden.

Fachdidaktische Theoriebasierung

Ein rein medienpädagogischer Ansatz greift unseres Erachtens zu kurz für den komplexen Bildungsauftrag der Grundschule. Neben der Vermittlung von Medienkompetenz muss die Grundschule vorrangig inhaltliche und prozessbezogene Fach-Kompetenzen adressieren. Daher ist die über Jahrzehnte aufgebaute fachdidaktische Kompetenz eine wichtige Komponente für die Entwicklung von digitalen Lernangeboten, die bei kommerziell angebotenen Medien oftmals vernachlässigt wird. Das Projekt integriert diese fachdidaktische Kompetenz in allen Konzepten und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur inhaltlichen Ausgestaltung digitaler Werkzeuge.
Auf der Basis dieses Prinzips wurden auch die am Projekt beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgewählt. Sie verfügen über umfangreiche Forschungserfahrung im Bereich Digitales Lernen und bringen diese Erfahrung in ihren Lehrveranstaltungen und Praktika für Lehramtsstudierende ein.

Unter diesen Vorgaben werden sieben Unterrichtskonzepte entwickelt und evaluiert, die auf den Konzeptseiten näher erläutert werden:

  • Mathematik: Zahlverständnis
  • Mathematik: Lagebeziehungen
  • Deutsch: Leseflüssigkeit
  • Sachunterricht: Analogiebildung
  • Sachunterricht: Messwerterfassung
  • informatisch: Graphenalgorithmen
  • informatisch: Schleifen und Strukturen

 

Projektbeteiligte

Das Projekt wird durch den Lehrstuhl für Didaktik der Mathematik koordiniert und gemeinsam mit den Grundschulpädagogiken für Deutsch und Sachunterricht als zentralen Unterrichtsfächern der Grundschule durchgeführt. Die informatisch-algorithmischen Konzepte werden unter Nutzung der Expertise in der Fachdidaktik Informatik in den Mathematikunterricht integriert, da weder ein eigenes Fach Informatik noch eine grundschulspezifische Fachdidaktik Informatik existieren.  Durch die Einbeziehung des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung (ZeLB) an der Universität Potsdam als fachübergreifender Einrichtung kann entsprechende zentralen Ressourcen zurückgegriffen werden sowie die Medienbildung fächerübergreifend betrachtet werden. Als kooperierende Grundschule wird die Rosa-Luxemburg-Schule durch den Schulträger Stadt Potsdam im Projekt für eine tragende Rolle unterstützt.

Einfluss auf die Lehrerbildung

Als Resultat wird das Projekt fertige und direkt einsetzbare Konzepte liefern und zusätzlich eine gemeinsame theoretische Basis der Konzepte explizieren, die als Grundlage für weitere Entwick-lungen dienen kann. Nicht nur die Anbindung an die Fachdidaktiken und die dort angesiedelten Forschungsgruppen und die konsequente Einbindung von existierenden und beantragten Forschungsprojekten, sondern vor allem die Integration in die schulpraktischen Studien, die Vergabe von Masterarbeiten und ein fächerübergreifendes Kolloquium sorgen für die praxisnahe und theoriebasierte Einbindung in das Studium für das Lehramt Grundschule an der Universität Potsdam. 

Neben den strukturellen Maßnahmen schafft das Projekt auch eine räumliche Infrastruktur zur Unterstützung der beteiligten Lehrpersonen und Studierenden. In der Partnerschule werden nicht nur spezielle Räume für das Projekt ausgestattet, sondern auch eine flächendeckende Ausstattung mit WLAN und mobile Lösungen für den flexiblen und spontanen Einsatz in allen Klassen der Schule beschafft. Damit soll gezeigt werden, wie die erarbeiteten Konzepte auch in anderen Schulen umgesetzt werden können. Die Studierenden und Forschenden an der Universität Potsdam können in einer gemeinsamen Werkstatt arbeiten, die zum einen die technische Ausstattung für die Vorbereitung der schulischen Maßnahmen bereithält, zum anderen als Ort der Kommunikation über die Fachgrenzen hinweg dient.   

Als Außenwirkung ist neben dem organisierten Austausch mit den weiteren Projektpartnern der Deutsche Telekom Stiftung geplant, die Projektergebnisse über Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer in Kooperation mit dem DZLM sowie mithilfe der Strukturen des ZeLB zu verbreiten. Diese Fortbildungen werden als Erweiterungen der projektbegleitenden schulinternen Fortbildungen realisiert und von den beteiligten Lehrpersonen und Forschern gemeinsam durchgeführt.